Dienstag, 26. Januar 2010
Endlich Südinsel...
Bevor es auf die Fähre ging, verwöhnten wir unsere Gaumen in einem sehr guten mexikanischen Restaurant in Wellington’s bunter Weggehmeile, Cuba Street, und hatten so einen würdigen Abschluss auf der Nordinsel. Vollgefressen und ziemlich aufgeregt fuhren wir mitten in der Nacht unseren Paulchen in den Bauch der Fähre.
Leider sahen wir im Dunkeln nicht allzu viel von den Marlborough Sounds. Dafür konnten wir von der Reling aus die Sonne malerisch zwischen den Inseln aufgehen sehen. Am Freitag, den 8.1., um 6 Uhr morgens wirbelten wir dann mit Paulchen endlich echten Südinselstaub auf. Zwei Tage lang genossen wir die beeindruckende Landschaft der Sounds, die man sich als Gebirge vorstellen kann, dessen Täler vom Meer überflutet worden sind. Dementsprechend viele kleine Buchten verstecken sich zwischen den Bergrücken. Perfekt zum Schwimmen und Rumplantschen…
Sommerliche Temperaturen machen ja nicht nur Lust auf Schwimmen, sondern auch auf Bands, Festivals und Tanzen. Zum Glück ist ja hier gerade Festival-Saison, und – auch wenn wir nicht auf die Großen der Nordinsel können – so konnten wir bei einem kleinen Reggae-Festival mit guten neuseeländischen Bands unseren Festivalhunger stillen. In Nelson spielten auf dem Summer Six „The Black Seeds“ (super tanzbarer, funkiger Reggae) und „Katchafire“ (die bekannteste Kiwi-Reggae-Dub Band). Der Nachmittag begann so entspannt, dass wir – obwohl wir die ersten am Parkplatz waren – so lange mit Marco, Svenja, Hendrik und Pim (ein Holländer – und was für einer ;)) am Auto rumhingen, dass wir am Schluss doch noch über eine Stunde anstanden. Hier merkte man wieder mal den relaxten neuseeländischen Lifestyle: obwohl die Schlange mehrere 100 Meter lang war, hatte niemand ein Problem ein bisschen zu warten und wir konnten in Ruhe noch ein paar Bierchen trinken. Egal ob Althippies oder Kinder mit Ohrschützern, jeder genoss die Sonne und die Musik. Auch wenn wir uns immer noch fragen, wie man nachmittags um 3 zwischen zwei Reggae-Bands voll auf Drum’n’Bass abgehen kann =)
Um die Marlborough Sounds noch ein bisschen näher kennenzulernen, machten wir danach zu zweit den Nydia Track. Dieser 2-Tages Marschführt durch abwechslungsreichen bush zur Nydia Bay, einer großen Bucht mit traumhaft grünem Wasser. Leider hielt die Wettervorhersage mit ihrem „mostly fine“ nicht Wort, und so muss es wohl woanders schön gewesen sein. Wir jedenfalls hatten „mostly drizzle“, was Michi zu richtigen Schimpftiraden gegen den Wettergott aufbrachte. Allerdings verlieh das trübe Wetter der Bucht eine nahezu mystische Atmosphäre. Diese Stimmung und der idyllisch am Meer gelegene Campingplatz machten auf jeden Fall das miese Wetter wieder wett. So hatten wir also einen insgesamt guten Einstand für unsere weiteren geplanten Tracks auf der Südinsel. Ja, wir haben noch viel vor…;)
Während wir noch mit Wandern beschäftigt waren, hatten Marco & Svenja schon die Kletterwände und –routen von Paynes Ford, Neuseelands größtem Sportklettergebiet bei Takaka, ausgekundschaftet. Auf dem Weg dorthin machten wir einen Abstecher zum Harwood’s Hole, der größten Höhle der südlichen Hemisphere mit einem 140 Meter tiefen Eingang. Viel von der Höhle selbst konnte man leider nicht sehen, aber der Ort mit dem riesigen Felsendom über der Höhle, den ausgewaschenen Felsen und dem verwunschenen Wald drumherum war ziemlich beeindruckend.
Bei den anderen angekommen schafften wir es tatsächlich uns einen Platz auf dem überbelegten (130 Leute anstatt 30, wie ausgelegt) Kletterer-Campingplatz, Hangdog, zu ergattern. Der Platz selber wirkt eher wie eine alternative, große Familie, wo manche sogar das ganze Jahr über dort im Zelt hausen. Genauso entspannt wie die Leute dort, ist auch die Stimmung. Jeder läuft mit einem großen Grinsen durch die Gegend, quatscht mit jedem anderen, der ihm über den Weg läuft, und haben neben Klettern auch jede Menge andere Kunststückchen drauf, wie Jonglieren, Diabolo, Fire- und Devilstick spielen, slacken und am Lagerfeuer 90er-Jahre Charthits zu trällern. Das besondere Etwas ist allerdings der klare Fluss mit super „Swimming Holes“, einer Slackline über dem Wasser und überhängenden Boulderfelsen. Alles in allem also ein Platz, wo es sich aushalten lässt – in unserem Fall eine Woche voll mit Klettern, Baden und coolen Leuten.
Schweren Herzens, aber mit der Aussicht auf den Abel Tasman National Parks, brachen wir vom Hangdog Camp auf, um am nächsten Tag in Motueka unser Seekajak beladen zu können. Nach einer gefühlt ewigen Sicherheitsunterweisung konnten wir endlich in einen der wohl schönsten Nationalparks Neuseelands lospaddeln – mit türkisem Wasser, goldenen Sandstränden, bush-bewachsener Küste und vielen Meerestieren. Zwei Tage lang paddelten wir an Traumstränden entlang und schlugen unser Zelt an wunderschönen Plätzen auf. Leider spielte das Wetter nicht immer ganz mit, so dass wir uns, anstatt im Meer zu planschen, am ersten Abend vor dem Regen ins Zelt flüchteten. Nachdem wir am Samstag unser Kajak abholen ließen, wanderten wir noch 2 Tag den nördlichen Teil des Coastal Tracks. Zum Glück strahlte die Sonne dann am Sonntag nur so mit uns um die Wette und wir sprangen fast an jedem Strand ins Meer. Ein absoluter Traum… =) Besonders schön war, dass wir nicht nur die überaus nervigen Sandflies um uns herum hatten, sondern auch viele andere Tiere beobachten konnten – daumengroße Grillen (und so laut, dass man sich kaum unterhalten konnte) und Spinnen, Robben mit ihren Jungen, viele Seevögel und 2 riesige Rochen. Zurück zu unserem „Zuhause“ gings dann mit einer spritzigen Wassertaxifahrt.
Weil es gar so schön war, stoßen wir jetzt wieder zu Marco & Svenja, um noch einmal die Kletterschuhe zu schnüren (Michi hat sogar jetzt selber welche) und um noch die restliche Golden Bay zu erkunden, bevor wir dann Anfang Februar nach Christchurch fahren.
Liebe Grüße und bis bald
Melli & Michi
Mittwoch, 6. Januar 2010
Vom alten ins neue Jahr
Nach unserem sommerlichen Weihnachtsabend am Strand war es das auch schon wieder mit Weihnachtsstimmung bei uns. Deshalb suchten wir die Weihnachtsfeiertage ein Internetcafe in der über die Feiertage beinah ausgestorbenen Gegend um Wellington, um mit der Webcam wenigstens einen Blick auf den Weihnachtsbaum zu Hause zu erhaschen. Es war schön, per Skype oder Telefon mit allen daheim ein bisschen zu quatschen. Gerade an diesen Tagen ist es mal nicht leicht, am anderen Ende der Welt zu sitzen und so war das Heimweh bei uns allen ein wenig zu spüren, was unter uns allen zu kleineren Turbulenzen führte.
Passend dazu merkten wir, dass die Gegend um „Windy Welli“ wirklich so stürmisch ist, wie man immer hört. Die ganzen 2 Wochen, die wir hier verbracht haben, gab es kaum eine Zeit in der uns nicht Töpfe, Hüte und Sonnenbrillen davon geblasen wurden.
Bevor es über Silvester in die „große“ Stadt ging, zog es uns nochmal an die raue Ostküste nach Castlepoint. Fast 70 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt liegt eine kleine Ansammlung von Ferienhäusern malerisch inmitten von Sandsteinriffs, Surfstränden und einem spektakulären Leuchtturm. Als wir am Fuß des Leuchtturms über die Felsen kletterten, entdeckten wir auf der Seeseite des Riffs einen Höhleneingang, in den die Wellen hinein brachen. Weil wir wussten, dass unter dem Leuchtturm eine Höhle zu erkunden war, dieser Eingang aber nicht zugänglich war, probierten wir es auf der anderen Seite der Felsen. Dort hatten wir mehr Glück. Das Einzige was uns an unserer Höhlentour hinderte, war ein Seelöwe, der sich direkt vor dem Eingang zum Schlafen hingelegt hatte und nicht den Eindruck machte, das Feld räumen zu wollen. Mit viel Geduld und Melli’s nachgeahmten Seehundgeheul (es hört sich nicht wirklich so an ;)) gelang es uns, den Faulpelz zu vertreiben. Zur Mitte hin wurde die Höhle immer weiter und mit den herein krachenden Wellen konnte man sich gut vorstellen, dass hier früher Piraten ihre Schätze versteckten.
Nachdem wir am nächsten Tag die Aussicht von Castle Rock über die Ostküste genossen, Surfern zugeschaut und uns selbst in die kalten Fluten gestürzt hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Wellington. Die Nacht verbrachten wir an einem schönen Platz am Fuß einer kleinen Gebirgskette. Dort hat man an einem warmen Sommertag alles, was man braucht – Bäume zum Slacken, Felsen, von denen man in den klaren, blauen Fluss springen kann, und Feuerplätze. Wegen des stürmischen Wetters kuschelten wir uns – wie schon oft zuvor – mit Marco & Svenja zum Kartenspielen in unseren Paulchen – wir haben ja genug Platz ;).
Nun aber wartete Wellington auf uns. Obwohl Hauptstadt Neuseelands ist Wellington sogar um einiges kleiner als Regensburg – was aber nicht heißt, dass man es beim Feiern und Shoppen nicht ordentlich krachen lassen kann. Zum ersten Mal hier checkten wir in einem Dorm (Mehrbettzimmer) ein. Das Hostel war zwar recht einfach, aber gepflegt und mitten in der Stadt. Bei der Riesenauswahl an Bars und Kneipen konnten wir uns nicht noch einen Tag bis zu Silvester gedulden und zogen um die Häuser. Dementsprechend ließen wir den nächsten Tag langsam angehen und beschränkten uns auf eine ausgedehnte Shoppingtour, um unser Outdoor - Equipment zu vervollständigen. Abends verwöhnten die Mädels die Jungs mit gesunden, aber leckeren (da waren Sprossen drin x)) Tortillawraps. Bevor wir durch die Clubs ziehen wollten, besuchten wir Hendrik in der Wohnung einer seiner Freundinnen, wo er schon seit vor Weihnachten wohnte. Bis wir uns dort auf „Betriebstemperatur“ gebracht hatten, war es schon fast Mitternacht. Als wir dann noch mitbekamen, dass fast alle Clubs 40 Dollar Eintritt wollten, gingen wir in eine Bar mit Live-Funk-Band und tanzten dort unsre Füße wund. Der Jahreswechsel selbst war leider relativ unspektakulär, weil die Kiwis nicht von Feuerwerk an Silvester halten, und so musste der Countdown auf der Tanzfläche reichen. So hatten wir zwar kein wie gewohntes Neujahr, aber endlich mal wieder einen echt coolen Weggehabend. Auf dem Heimweg waren wir alle ziemlich gut drauf und sogar Melli konnte ihrem Heißhunger auf einen Burger nicht widerstehen (was was heißen will ;)). Es war sogar um 5 auf der Straße noch die Hölle los, was recht untypisch für Neuseeland ist. So gesehen sollte eigentlich immer Silvester sein ;)
An dieser Stelle euch allen noch ein verspätetes: Frohes, neues Jahr!!!
Die verbleibende Zeit in Wellington nutzten wir, um uns auszuschlafen und ausgedehnte Spaziergänge durch den botanischen Garten und das Te Papa Museum zu machen. Auf jeden Fall werden wir noch mehr Zeit für das Museum verwenden, wenn wir zurückkommen, weil man dort mal richtig was über Neuseeland lernen kann.
Weil unsere Fähre auf die Südinsel erst heute Nacht geht, war noch einige Zeit zu überbrücken. Also beschlossen wir zu fünft, an das Südkap der Nordinsel, Cape Palliser, zu fahren und dort noch ein wenig zu wandern. Leider klappte unsere geplante Zweitages-Tour von den Pinnacles runter zum Leuchtturm am Kap nicht, weil die beiden Mädels kränkelten und wir nicht vom Wind schon auf die Südinsel geweht werden wollten. Also kämpften wir uns mit dem Auto durch den Sturm zum Cape. Der Wind war so stark, dass wir echt Angst bekamen, unser Paulchen könnte umfallen, und Marco’s Fahrertür ausgebrochen ist.
Auf dem Rückweg machten wir beide uns noch auf zu den Pinnacles, beeindruckende, ausgewaschene Sandsteinformationen. Unglaublich was Wasser mit Felsen machen kann…
Noch ein Beispiel dafür fanden wir später, als wir mit Hendrik zusammen einen unterirdischen Fluss erkundeten, der eine über 100 Meter lange Höhle in den Fels gefressen hat. Highlight dieser Entdeckertour waren die unzähligen Glowworms, die einen unglaublichen Sternenhimmel an die Höhlendecke zauberten.
Die letzte Zeit bevor es auf die Fähre geht, verbrachten wir wieder am Fluss mit Lagerfeuer und viel Bier. Auf jeden Fall können wir es beide kaum noch erwarten, endlich auf die Fähre und so auch auf die Südinsel zu kommen!
Liebe sommerliche Grüße
Melli & Michi
Samstag, 26. Dezember 2009
Frohe Weihnachten!
Eigentlich wollten wir den 24. ja zuerst zu zweit verbringen. Als wir aber den Surfhighway vom Taranaki herunterkamen, kreuzte sich unser Weg wieder mit dem von Marco und Svenja. An einem schönen Lagerfeuerabend beschlossen wir doch zusammen in geselliger Runde am Strand zu schlemmen. Am nächsten Tag stieß dann noch Hendrik zu uns. Tagsüber genossen wir die Sonne und das Meer, was mittlerweile schon gar nicht mehr so kalt ist. Schon mit Vorfreude auf unser Weihnachtsmahl machten wir uns mit allem, was wir brauchten, auf an den Barbecue Platz, der direkt hinter der Düne lag. Zur Feier des Tages kamen allerlei Köstlichkeiten auf den Tisch. Von wegen, dass sich Backpacker nur von Nudeln ernähren ;). Nachdem wir uns durch die Berge von Salat, gebratenen Garnelen, Häppchen mit Avocadocreme und Lachs, und saftigen Steaks durchgeschlemmt hatten, war in unseren Bäuchen kein Platz mehr für Pfannkuchen mit Bananen und Schokomousse. Macht aber nix. So gabs dann am nächsten Tag ein leckeres Frühstück, was sich mit den anderen Resten super als Brunch machte.
Nach dem Essen stand Geschenke auspacken an der Reihe. Wann kann man so was schon am Strand machen? In der untergehenden Sonne ließen wir am Lagerfeuer den Abend ausklingen. Natürlich waren unsere Weihnachtsmützen auch dabei, denn schließlich musste auch ein bisschen Weihnachtsflair aufkommen.
Auch wenns schon etwas spät ist, wünschen wir euch frohe Weihnachten und noch ein paar besinnliche, ruhige Tage bis zum Jahreswechsel.
Liebe sommerlich weihnachtliche Grüße und bis bald!
Melli & Michi
Sonntag, 20. Dezember 2009
Taranaki - like no other
Nachdem das Wetter in der letzten Woche sehr wechselhaft war und es auf dem Gipfel über Nacht sogar einmal schneite, mussten wir uns ein wenig gedulden, bis die Wetterlage stabil genug war. Wegen seiner Lage direkt am Ozean kann das Wetter sehr schnell umschlagen und der ansonsten eigentlich eher einfache Berg ziemlich gefährlich werden. Anfangs der Woche war eine Besteigung nur mit Steigeisen und Pickel möglich. So verbrachten wir die Zeit an den vielen umliegenden Stränden, joggten am Strand an weißen Klippen entlang und genoßen danach eine kalte Wasserfalldusche. Außerdem steht ja Weihnachten vor der Tür. Auch wenn insgesamt noch keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen mag (wer kanns uns bei Sommertemperaturen verdenken ;)), gehört ein kleines Geschenk ja doch dazu. Die Planungen dazu können sich aber schwierig gestalten, wenn man jede Minute gemeinsam verbringt. So haben wir uns ein wenig Zeit genommen, damit jeder seiner „Mission“ nachgehen kann.
Am Donnerstag war es dann soweit: die Wettervorhersage für den nächsten Tag war optimal und wir machten uns auf den Weg in den Egmont National Park. Nachdem wir die Nacht am Fuß des Bergs verbrachten, standen wir schon um 5 auf, um die ersten Sonnenstrahlen am Berg zu genießen. Schwer schnaufend wegen der heftigen Steigung ging es erst über ein endloses Geröllfeld und dann in einer schönen Kraxelei über einen Lavastrom in den schneebedeckten Vulkankegel. Zum Glück war der Schnee sehr weich und griffig, so dass das letzte Stück auch ohne Ausrüstung gut machbar war. Überwältigt standen wir schon vor 10 Uhr auf dem Gipfel, von wo aus wir sogar bis hinüber zu den Vulkanen am Lake Taupo sehen konnten. Die Aussicht war gigantisch und so hoch über den Wolken kam man sich vor wie im Flugzeug, vor allem ohne andere Berge um einen herum. Wie du siehst, Moni, haben wir uns sogar die Mühe gemacht, auf den Berg zu klettern, um deinen schönen Gruß an den Taranaki auszurichten. Auftrag ausgeführt, würden wir sagen. =) Nach insgesamt 7 Stunden war es gerade mal kurz nach Mittag, als wir wieder unten ankamen. Genug Zeit also, um den Nachmittag am Strand zu verbringen.
So machten wir uns auf Richtung Norden zu den "Three Sisters", 2 Felsnadeln, die aus dem Meer ragen (die dritte ist irgendwann umgefallen). Obwohl in den Reiseführern ganz klein gehalten, war dieser Strand einer der Schönsten bisher. Das Schild an der Straße weist zwar nur auf die "Three Sisters" hin, spaziert man aber den Strand noch etwas entlang, entdeckt man einiges mehr: einen riesigen Fels-Elefanten, Höhlen, Felsbögen und Muscheln. Diesmal nicht nur für Mellis Muschelsammlung, sondern eher für unseren Meeresfrüchte-Heißhunger. So gab es am nächsten Tag zum Mittagessen einen großen Topf selbstgesammelter Muscheln. Lecker...
Hier in New Plymouth ist zur Zeit die Hölle los, weil die Altrocker Fleetwood Mac hier ihre einzigen Neuseelandgigs spielen. Heute abend wollen wir bei einer Flasche Wein die Musik im Park genießen, bevor es morgen Richtung Süden und Wellington geht. Wo genau wir Weihnachten verbringen werden, haben wir noch nicht entschieden. Wir werden wohl einfach dort bleiben, wo es uns gefällt und vielleicht den Tag gemütlich zu zweit mit allerlei Leckereien am Strand verbringen.
Bis bald
Melli & Michi
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Wieder auf Achse
Zum Abschluss schafften wir es endlich zum Cape Kidnappers zu wandern. Seit Wochen stand die Landspitze, auf der eine riesige Tölpelkolonie brütet, auf unserem Zettel, aber das Wetter machte uns immer einen Strich durch die Rechnung. Besser als an dem Sonntag konnten wir es dann nicht treffen und wir wanderten in herrlichem Sonnenschein 5 Stunden über den Strand an Klippen entlang. Nirgends sonst kommt man so nah an Tölpelkolonien heran und so war es echt faszinierend diese Vögel zu beobachten – auch wenn es echt gestunken hat.
Montag galt den Reisevorbereitungen, damit wir uns am nächsten Tag auf den Weg machen konnten. Quer durchs Land größtenteils über Schotterpiste ging es zuerst zum Ruapehu (einer von den 3 Vulkanen) am südlichen Ende des Tongariro National Parks. Unsere Vorfreude auf die nächsten Wochen bekam leider einen plötzlichen Dämpfer, als uns Paulchen kochendes Kühlwasser entgegen spuckte. Nachdem Michi gleich Panik schob und sämtliche Leute übers Telefon wahnsinnig machte, stellte sich in der Werkstatt heraus, dass nur eine kleine Dichtung am Kühler ausgetauscht werden musste. Optimismus will gelernt sein ;)
Nach diesem kleinen Zwischenfall, der uns zum Glück nur 40 Dollar (20 €) ärmer machte, fuhren wir weiter nach Taumarunui. Dort wollten wir uns zuerst einmal über ein Mehrtages-Paddeltrip auf dem Whanganui River informieren. Kaum im I-Site (Touri-Info) angekommen, vermittelte uns die Dame dort an eine ihr bekannte Familie mit Kanuverleih. Nachdem wir noch einen kleinen Rabatt bekamen, entschieden wir uns die Paddeltour zu machen. Die Nacht, bevor es losging, konnten wir auf Ron und Karen’s Grundstück direkt am Fluss campen. Kaum angekommen nahm uns Jonathan, eins der 6 Kinder, in seinem Gelände-Buggy mit auf eine Spritztour auf die farmeigene Rennstrecke. Auf einer Koppel beim Haus hielten sie neben Rehen ein ziemlich lustiges Trio. Das bestand aus Ossi the Ostrich, einem männerhassenden, aber flirtenden Vogelstrauß, einem fetten gefleckten Schwein und einer Mischung aus Ziege und Schaf. Dieses Goatsheep ist wohl das wütendste und komischste Tier, das wir je gesehen haben. Während wir am Zaun standen, schnaubte es so vor Wut, dass wir glaubten, es kollabiert gleich. Abends am Lagerfeuer saßen wir mit 2 Kaliforniern, einer Schottin und einem alten Deutschen inklusive Thai-Ehefrau zusammen. Die Amis waren 14 Monate über den Pazifik nach Neuseeland gesegelt, der Deutsche reiste wohl schon sein ganzes Leben durch die Welt… Bei den ganzen Geschichten aus Ländern wie Saudi Arabien, Tibet, Pakistan und den ganzen Segelabenteuern kamen wir uns wie richtige Reisefrischlinge vor. Gemeinsam verputzten wir noch eine frisch gefangene und geräucherte Forelle, die uns Josh (ein anderer Sohn) vorbeibrachte, und am Spieß gegrillte Lammsteaks. Unterm Sternenhimmel und mit Gitarrenmusik war es ein echt wildromantischer Abend.
Donnerstag morgen verstauten wir alles, was wir brauchten, in ein paar wasserdichten Fässern und danach ging es ab auf den Fluss. Auf der Whanganui River Journey, die zu Neuseelands Great Walks gehört, paddelten wir ungefähr 115 Kilometer an 4 Tagen durch tiefsten bush. Am Ufer liegen immer wieder Campingplätze und außerdem 3 Hütten. Zwei Nächte schliefen wir im Zelt, eine wegen starkem Regen in einer Hütte. Am Faszinierendsten waren die vielen verschiedenen Grüntöne und das abwechslungsreiche Vogelgezwitscher. Außerdem plätscherten alle 20 Meter Wasserfälle in den canyonartigen Fluss. Am dritten Tag machten wir zu Fuß einen Abstecher zur „bridge to nowhere“, einer Brücke mitten im Urwald, die von Siedlern gebaut und nach deren Rückzug nicht abgerissen wurde. Manchmal fühlten wir uns wirklich wie Entdecker, als wir so mit unserem Boot und allem, was man so braucht, allein durchs Nirgendwo trieben. Richtiges Urwaldfeeling also… Jeden Abend trafen wir dann die anderen Paddler auf den Campingplätzen und verbrachten 3 gemütliche Abende. Nur der Fluss selbst hätte manchmal ein wenig actionreicher sein können. Leider gab es keine richtigen Stromschnellen, weil er einfach noch viel zu viel Wasser hatte. So war er halt einfach nur ein großer Wanderfluss…
Zurück auf der Farm wurden wir gleich mit frischem Kaffee, Muffins und einer Luxusdusche versorgt. Als wäre das noch nicht genug, wurden wir noch zum Abendessen eingeladen (bei dem Stichwort „Steak“ konnte Michi eh nicht nein sagen) und guckten noch DVD mit den Kids. Schließlich war es ja auch mal Zeit für ein wenig Kiwi-Kontakt.
Gestern erkundeten wir den „Forgotten World Highway“ Richtung Mount Taranaki. Wie der Name schon vermuten lässt, begegnet man auf dieser Straße kaum jemandem außer ein paar Schafen. Um Kilometer zu sparen bogen wir nach etwa der Hälfte auf eine Schotterstraße ab, die kürzer nach New Plymouth führte, wohin wir eigentlich wollten. Nach einer Mittagspause hoch über sattgrünen Weiden, wanderten wir zu den höchsten Wasserfällen der Nordinsel, den Mt Damper Falls. Bei dem Anblick von 80 Meter in die Tiefe stürzendem Wasser könnte einem glatt schwindlig werden.
Gerade sind wir in New Plymouth und warten am Strand darauf, dass auf dem Taranaki weniger Schnee liegt und wir auf den Gipfel klettern können. In der Zwischenzeit wird uns hier bestimmt nicht langweilig.
Jetzt aber genug. Schließlich müssen wir wieder raus und Sachen erleben, damit wir was zu erzählen haben.
Liebe Grüße
Melli & Michi